Der 28-jährige Wiener Heinz Chen beendete mit Ende Juli 2011 seinen einjährigen Gedenkdienst im Jüdischen Museum Berlin.
Hauptaufgabengebiet des Profi-Pianisten war die Sonderausstellung „Radical Jewish Culture“, welche
von April bis Juli 2011 im beeindruckenden Bau im Berliner Bezirk Kreuzberg, eröffnet 2001 nach einem Entwurf des bekannten amerikanischen Architekten Daniel Libeskind, zu sehen war. „Radical Jewish Culture war Anfang der 1990er Jahre eine avantgardistische jüdische Musikbewegung, die sich aus der New Yorker Underground-Szene entwickelte. Sie war nicht zuletzt durch die Beschäftigung mit der nationalsozialistischen Massenvernichtung der europäischen Juden motiviert, die bislang von der Generation der Überlebenden und Immigranten erfolgreich verdrängt worden war“, so der offizielle Beschreibungstext im Begleitprogramm der Exhibition, an welcher Heinz Chen maßgeblich mitarbeitete.
Seine Aufgabengebiete reichten vom Auf- und Abbau der Ausstellung, über das Anfertigen eines 16-seitigen Handouts, um den Besuchern die Inhalte der Ausstellung näher zu bringen, technische Beschaffungen, die aktive Zusammenarbeit mit Graphikern und Architekten bei der Ausstellungsgestaltung, die selbstständige Koordination bei Pressefragen (u.a. war Heinz Chen auch in einem Interview mit dem Deutschland-Radio involviert), diverse Marketing-Besprechungen sowie das Aufbereiten von Daten für alle beteiligten Abteilungen des Hauses bzw. externe Mitarbeiter. Als Ergebnis der anfänglichen Recherche und Einarbeitung in das Thema schrieb er beispielsweise auch einen etwa 30-seitigen Text, um Daten und Zusammenhänge festzuhalten.
„Die Arbeit an der Sonderausstellung Radical Jewish Culture war eine sehr intensive Auseinandersetzung mit allen Facetten dieses Themas. Durch einen regelmäßigen E-Mail-Verkehr mit dem Kurator der Ausstellung, Mathias Dreyfuss aus dem Musée d’art et d’histoire du Judaisme in Paris, konnte ich mich in das Thema vertiefen - zur inhaltlichen Auseinandersetzung gehörten jedoch auch Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeiten, wie etwa der Besuch von Konzerten und Filmaufführungen von Radical Jewish Culture-affinen Künstlern“, so der mit taiwanesischen Wurzeln ausgestattete Ex-Klavierstudent an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Das Jüdische Museum Berlin feierte Ende Oktober sein 10-jähriges Bestehen mit einem breit gefächerten Programm im Rahmen einer Jubiläumswoche mit unzähligen Konzerten, Vorträgen, Stadtrundgängen, Symposien und Führungen bei freiem Eintritt. Am 24. Oktober zeichnete das JMB die deutsche Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel mit dem diesjährigen „Preis für Verständigung und Toleranz“ aus.